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Hoffnung

  • Autorenbild: brigit
    brigit
  • 7. Juni
  • 3 Min. Lesezeit


Hoffnung verbindet die Gegenwart mit einer besseren Zukunft, setzt Motivation frei und ist ein zentraler Baustein für Resilienz und die Bewältigung von Krisen.


Die Schweizer Psychoanalytikerin Verena Kast sieht in der Hoffnung eine grosse Konstante des Seelenlebens, eine nie weichende Ressource. "Ich halte Hoffnung für eine Grundemotion des Lebens und den natürlichen Feind der Angst", sagt Kast. "Solange wir lebendig sind, hoffen wir, dass es besser wird. Selbst Sterbende tun das."


Während passive Hoffnung, oft in Resignation oder Wunschdenken mündet, ist aktive Hoffnung eine Praxis. Es ist die Überzeugung, dass der Ausgang durch das eigene Handeln positiv beeinflusst werden kann.


Passive Hoffnung (Das Warten)

Hier ist die Haltung passiv und reaktiv. Man hofft, dass äussere Umstände, andere Personen oder der Zufall die Situation retten. "Ich wünsche, dass etwas geschieht." Die Energie geht verloren, weil man in eine Unbeweglichkeit oder Abhängigkeit gerät.


Aktive Hoffnung (Das Wirken)

Hier ist die Haltung gestaltend, mutig und lösungsorientiert. Man erkennt die Gegebenheiten an, konzentriert sich jedoch auf den eigenen Einflussbereich und das, was in der eigenen Macht steht. Die Überzeugung, selbst Wege gestalten zu können, gibt Energie und beugt innerer Lähmung vor.


Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass gerade in Beziehungen die Hoffnung ungesund und schädlich werden kann. Die Hoffnung klammert sich an das Potential des Partners oder an vergangene schöne Momente. Dadurch bist du in einer schmerzhaften und ungesunden Dynamik gefangen. Diese Art von Hoffnung kann süchtig machen, gerade wenn nach Phasen der Entwertung wieder Phasen von Zuwendung folgen.


Wann wird Hoffnung zum Problem?


Die Ilusion der Veränderung: Oft hoffen Betroffene den Partner durch Liebe, Geduld oder Gespräche "heilen" zu können. Wahre Veränderung muss jedoch vom Partner selbst ausgehen.


Das Festhalten am Potential: Du liebst die Person, die der Partner sein könnte oder in der Anfangsphase war, ignorierst aber die Realität dessen, wie er sich aktuell verhält.


Verlust der Selbstbestimmung: Die ständige emotionale Achterbahnfahrt führt zu chronischem Stress, Hilflosigkeit und oft zu körperlichen oder psychischen Symptomen. Die Hoffnung raubt dir die Energie für dich selbst.


Wege aus der Hoffnungsschleife:


Vergangenheit als Massstab

Betrachte die Realität statt der Versprechungen. Die Vergangenheit ist der beste Indikator für die Zukunft.


Fokus auf das Hier und Jetzt

Tut dir der Umgang im aktuellen Moment gut? Wenn die negativen Zeiten überwiegen, rechtfertigen die guten Momente nicht die Verletzungen.


Radikale Akzeptanz

Erkenne an, dass du den anderen nicht ändern kannst. Die einzige Person, die du kontrollieren kannst, bist du selbst.


Diese ungesunde Hoffnung kann eine Bewältigungsstrategie sein, die in belastenden Kindheitssituationen entstanden ist. Wenn ein Kind wenig Einfluss auf seine Umgebung hat - etwa bei emotionaler Vernachlässigung, unvorhersehbaren Bezugspersonen, Konflikten oder anderen schwierigen Umständen - kann die Hoffnung auf zukünftige Verbesserung helfen, die Situation auszuhalten.


Beispiele dafür sind Gedanken wie:

  • "Irgendwann wird Mama oder Papa mich verstehen."

  • "Wenn ich mich nur genug anstrenge, wird alles besser."

  • "Später werde ich endlich glücklich sein."

  • "Bald ändert sich etwas."


Diese Form von Hoffnung kann Schutz bieten, weil sie Verzweiflung und Hilflosigkeit abmildert. Gleichzeitig kann sie im Erwachsenenalter manchmal problematisch werden, wenn jemand dauerhaft auf Veränderungen hofft, die realistisch nicht eintreten werden, statt die gegenwärtige Situation nüchtern zu betrachten oder Grenzen zu setzen.


Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen:


  • realistischer Hoffnung, die mit Handeln, Einfluss haben und einer Einschätzung der Realität verbunden ist,


und


  • kompensatorischer Hoffnung, die vor allem dazu dient, Schmerz, Verlust oder Ohnmacht nicht fühlen zu müssen und schwierige Entscheidungen nicht treffen zu müssen.


Worauf hoffe ich genau?

Hilft mir diese Hoffnung oder hält sie mich in einer Dynamik fest?

Oft zeigt sich daran, ob die Hoffnung eine aktuelle Ressource ist oder eher ein Überbleibsel einer früheren Überlebensstrategie.








 
 
 

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Brigit Leicht | Gewerbestrasse 12 | 8132 Egg bei Zürich | Schweiz | brigit@brigit.ch

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