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Verstrickungen

  • Autorenbild: brigit
    brigit
  • 15. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit


Als Verstrickung (Enmeshment) bezeichnet man die ungesunde emotionale Abhängigkeit und die mangelnde Abgrenzung von anderen Menschen. Verstrickung führt zum Verlust oder zumindest zur Einschränkung der Selbstidentität. Ohne ein klares Selbstgefühl können wir keine stabilen, glücklichen Beziehungen führen.

 

Enmeshment ist ein anderer Begriff für Verstrickung. Der Begriff wurde von Salvador Minuchin, einem Pionier der systemischen Familientherapie, geprägt.


Das kann sich ganz unterschiedlich zeigen:

  • Du fühlst dich verantwortlich für die Stimmung anderer

  • Du hast Schwierigkeiten, eigene Entscheidungen zu treffen

  • Du stellst deine Bedürfnisse regelmässig hinten an

  • Du empfindest Schuld, wenn du dich abgrenzen möchtest


Oft wirkt dieses Verhalten nach aussen sogar „positiv“ – etwa als grosse Hilfsbereitschaft oder Fürsorglichkeit. Doch dahinter steckt nicht selten eine tiefe innere Verunsicherung.



Woher kommt diese Dynamik?

Die Wurzeln von Verstrickung liegen meist in der Kindheit.

Viele Betroffene sind in Familien aufgewachsen, in denen ein Elternteil emotional stark auf das Kind angewiesen war. Das Kind wurde – bewusst oder unbewusst – dazu genutzt, die Bedürfnisse des Erwachsenen zu erfüllen.

Liebe und Anerkennung waren dabei häufig an Bedingungen geknüpft:

„Ich bin nur wertvoll, wenn ich funktioniere.“

„Ich werde nur geliebt, wenn ich es allen recht mache.“

Das Kind lernt früh, sich anzupassen, Konflikte zu vermeiden und die eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken. Daraus entsteht später oft die Überzeugung, für das emotionale Gleichgewicht anderer verantwortlich zu sein.



Die unsichtbare Last im Alltag

Als erwachsener Mensch zeigt sich diese Prägung oft subtil. Vielleicht kennst du das Gefühl, eine Art „unsichtbares Gewicht“ mit dir herumzutragen. Eine diffuse Unstimmigkeit, ohne genau sagen zu können, woher sie kommt.


Typische Folgen können sein:

  • emotionale Überforderung

  • wiederkehrende, belastende Beziehungsmuster

  • Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen

  • das Gefühl, sich selbst nicht richtig zu spüren


Gleichzeitig entsteht ein innerer Druck: bloss keine negativen Gefühle bei anderen auslösen. Doch genau hier liegt das Problem.

Es ist ein wichtiger Unterschied, ob wir achtsam mit anderen umgehen – oder ob wir glauben, ihre Gefühle kontrollieren zu müssen.

Der Anspruch, niemanden zu verletzen oder zu enttäuschen, klingt zunächst edel. In Wirklichkeit ist er jedoch unerfüllbar. Denn: Menschen reagieren aus ihrer eigenen Geschichte heraus – nicht nur auf dein Verhalten. Wenn du beginnst, jede mögliche negative Reaktion vermeiden zu wollen, gibst du zwangsläufig dich selbst auf.



Verantwortung zurücknehmen

Viele emotionale Reaktionen, die wir im Alltag erleben, haben ihren Ursprung nicht im Hier und Jetzt – sondern in alten, unverarbeiteten Erfahrungen.

Wenn dich eine Situation überproportional stark trifft, lohnt sich ein Blick nach innen: Was genau wurde hier berührt?

Sobald du erkennst, dass deine Gefühle auch mit deiner eigenen Geschichte zu tun haben, entsteht etwas Entscheidendes: Handlungsspielraum.

Du bist nicht machtlos.Du kannst lernen, bewusst zu reagieren – statt automatisch.



Gesunde Verbindung statt Verstrickung

Echte Nähe entsteht nicht durch Verschmelzung, sondern durch Klarheit.


Das bedeutet:

  • Du kennst deine Bedürfnisse

  • Du kannst sie ausdrücken

  • Du respektierst die Grenzen anderer – und deine eigenen

  • Du übernimmst Verantwortung für deine Gefühle


Eine gesunde Beziehung lebt davon, dass zwei eigenständige Menschen miteinander in Verbindung stehen – nicht davon, dass sie ineinander aufgehen.

Oder einfacher gesagt: Ich bin ich und du bist du.


Verstrickung ist kein bewusst gewählter Zustand, sondern oft das Ergebnis früher Prägungen. Doch sie muss nicht dauerhaft bestehen bleiben.

Der erste Schritt ist, sie zu erkennen. Der zweite, sich selbst wieder näherzukommen. Denn je klarer du dich selbst spürst, desto echter kann auch deine Verbindung zu anderen werden.


 
 
 

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Brigit Leicht | Gewerbestrasse 12 | 8132 Egg bei Zürich | Schweiz | brigit@brigit.ch

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